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Gemeinsame Pressemitteilung des Werra-Meißner-Kreises und des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Werra-Meißner-Kreis Sachstand zum Modellvorhaben „Holzige Biomasse“

Neu-Eichenberg, den 24.06.2019

Das vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz geförderte Modellvorhaben des Werra-Meißner-Kreises „Mobilisierung, Aufbereitung und Verwertung holziger Biomassen in der ländlichen Region“ geht in Zusammenarbeit mit dem Zweckverband Abfallwirtschaft Werra-Meißner-Kreis und mit der fachlichen Begleitung der Witzenhausen-Institut GmbH in die konkrete Umsetzung.

 

Nach den Beschlüssen der Zweckverbandsgremien werden in allen 13 Städten und Gemeinden des Verbandes geeignete Sammel- und - soweit möglich - auch Aufbereitungsplätze für Baum- und Strauchschnitt geplant und eingerichtet. Dazu sollen insbesondere die in einigen Städten und Gemeinden bereits vorhandenen und derzeit ohne Genehmigung betriebenen Plätze legalisiert werden. Damit wird eine dauerhafte Sammel- und Verwertungs-Infrastruktur geschaffen, die neben der Sammlung des Grüngutes aus den Haushalten auch den Kommunen für die im Rahmen von kommunalen Rückschnittmaßnahmen anfallenden Mengen zur Verfügung steht. Reine Sammelplätze sollen in den Gemeinden Berkatal, Meißner, Ringgau, Weißenborn und Neu-Eichenberg sowie in der Stadt Wanfried entstehen. In Bad Sooden-Allendorf, Großalmerode, Herleshausen, Hessisch Lichtenau, Meinhard, Waldkappel und Wehretal soll neben der Lagerung auch eine Aufbereitung des gesammelten Grüngutes durch Shreddern und Absieben möglich sein. 

 

Die Kosten für die notwendigen Änderungen oder Aufstellungen von Flächennutzungs- und Bebauungsplänen sowie die Genehmigungsverfahren für alle 13 Plätze sind mit ca. 117.400 EUR veranschlagt. Die Verbandsversammlung des Zweckverbandes Abfallwirtschaft hat am 21.05.2019 einstimmig beschlossen, diese einmaligen Kosten vollständig zu tragen. Die notwendigen Mittel waren im Haushalt schon bereitgestellt und sind jetzt zweckbestimmt freigegeben. Der Verband beauftragt nach vergaberechtlich vorgeschriebener Ausschreibung geeignete Planungsbüros. Die Verfahren selbst - mit ggf. notwendigen Beschlüssen der zuständigen Gremien - sollen durch die Städte und Gemeinden durchgeführt werden, ebenso wie die anschließende bauliche Herrichtung der Plätze und der Annahmebetrieb. Die Plätze sollen in einfacher Bauweise erstellt werden und lediglich eine geeignete Einzäunung erhalten. Eine (wassergebundene) Befestigung ist allenfalls bei Fahrwegen oder Stellflächen für Schredder oder LKW vorgesehen.

 

Für den Betrieb sollen die Städte und Gemeinden vom Abfallzweckverband einen Kostenzuschuss von 1.600 EUR pro Platz und Jahr erhalten. Weitere ca. 10.000 EUR sollen pauschal nach Einwohnerschlüssel verteilt werden. Insgesamt wird den Kommunen damit ein Betriebskostenzuschuss von ca. 30.000 EUR pro Jahr zur Verfügung stehen. 

 

Für den gesammelten und aufgearbeiteten Grünabfall wird ein einheitliches Logistik- und Verwertungskonzept entwickelt und umgesetzt. Kontakte zu gewerblichen Verwertern und möglichen Abnehmern in der Landwirtschaft sind bereits aufgenommen. Die zu erwartenden Verwertungskosten werden vom Witzenhausen-Institut auf der Grundlage der vorgesehenen 13 Plätze und einer Sammelmenge von ca. 30 kg Baum- und Strauchschnitt pro Einwohner auf 60.000 bis 70.000 EUR pro Jahr beziffert. In dieser Betrachtung sind die Kosten für notwendige Transporte zu den Aufbereitungsplätzen, die Aufbereitung selbst sowie Transporte zur Verwertung in Biomasseheizkraftwerken enthalten und anteilige Erlöse berücksichtigt. Insgesamt liegen die zu erwartenden jährlichen Gesamtkosten damit deutlich unter den in der Konzeptphase prognostizierten 200.000 EUR, entsprechend ca. 8,-- EUR/Haushalt. 

 

Neben der abfallrechtlichen Verpflichtung des Zweckverbandes Abfallwirtschaft zur getrennten Sammlung und Verwertung - zu den Bioabfällen gehören lt. Kreislaufwirtschaftsgesetz ausdrücklich auch Baum- und Strauchschnitt – verfolgt das Projekt „holzige Biomasse“ auch nachhaltig die Klimaschutzziele des Werra-Meißner-Kreises und die damit verbundene Energiewende. Darauf weisen der erste Kreisbeigeordnete Dr. Rainer Wallmann und der Verbandsvorsitzende des Abfallzweckverbandes, Bgm. Friedhelm Junghans, ausdrücklich hin. „Wir leisten damit einen sinnvollen Beitrag zur Wärmewende und zur Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes im Werra-Meißner-Kreis“, freuen sich Dr. Wallmann und Bürgermeister Junghans. Beim Einsatz getrennt gesammelter und aufbereiteter holziger Grünabfälle zur Wärme- und/oder Energiegewinnung in Heizkraftwerken o.ä. werden fossile Energieträger (Öl, Gas) ersetzt und damit CO2 eingespart. Eine Tonne Brennmaterial aus holziger Biomasse entspricht dem Heizwert von ca. 300 l Heizöl.

 

Durch das Projekt sollen auch keineswegs Osterfeuer entfallen. Osterfeuer dienen der Brauchtumspflege und sollen innerhalb der örtlichen Gemeinschaften Bestand haben. Sie sind aber fachgerecht und gemäß den Anforderungen des Natur- und Umweltschutzes zu betreiben und dürfen nicht den Charakter von Abfallbeseitigungsanlagen haben. Allerdings soll das übrige Verbrennen von Baum- u. Strauchschnitt in der Landschaft möglichst unterbleiben. Die ökologische Sinnhaftigkeit einer Verordnung, die in Hessen das Verbrennen in engen Ausnahmefällen zulässt, wird von vielen Seiten stark in Frage gestellt. Aufgrund des Getrenntsammlungs- und Verwertungsgebotes wurde im benachbarten Bundesland Thüringen das Verbrennen von pflanzlichen Abfällen in der Landschaft bereits 2016 vollständig untersagt.

 

Die Beteiligten hoffen jetzt auf eine zügige Durchführung der notwendigen Verfahren um zeitnah mit der Sammlung und Verwertung von Baum- und Strauchschnitt starten zu können.